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schreibt am 15. Oktober 2020 Ben liebt Anna

In meiner Kindheit erschien ein Kinderbuch, Ben liebt Anna von Peter Härtling. An diesen Titel denke ich jeden Morgen und Abend beim Zähneputzen. How come?

Ben & Anna heißt meine neue Zahnpasta, die im Glas daher kommt, und mir hilft, Plastikmüll zu vermeiden, der beim Kauf einer Zahnpasta in der Tube entsteht. Es gibt sie in verschiedenen Varianten, die meisten vertraut weiß, eine schwarz. Für die habe ich mich entschieden, weil sie zu meiner schwarzen Zahnbürste passt.

Die Handhabung ist gewöhnungsbedürftig, ein kleiner Holzspatel dient dazu, die Masse auf der Zahnbürste aufzubringen. Ich wollte das ausprobieren, weil ich immer wieder erstaunt bin, wie schnell neue Gewohnheiten entstehen – Gewohnheiten, wie sie das jahrzehntelange Tube-Aufdrehen, Tube-Zudrehen darstellen. Glas aufrdrehen, Spatel ablegen, Glas zudrehen, Spatel abspülen werden schnell zur Gewohnheit, Geschmack und Putzleistung, so weit ich das beurteilen kann, sind einwandfrei. Und Veränderung trainiert den Geist. Lediglich auf Reisen ist das Glas unpraktisch und muss durch eine Tube ersetzt werden. Ben & Anna werden also vermutlich nie auf Reisen gehen.


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schreibt am 9. Mai 2020 Die schönsten Reiserouten der Plastikente

Drei Container gingen 1992 während eines Sturms über Bord eines Frachters und kippten ins Meer. Das kommt häufiger vor. Sie sind nicht einfach untergegangen oder an der Wasseroberfläche herumgetrieben, bis irgendwann ein anderes Schiff mit ihnen zusammengestoßen ist. Einer davon hat sich geöffnet und dabei fast 30.000 grünen Fröschen, roten Biebern, blauen Schildkröten und gelben Enten die Freiheit geschenkt. Keine echten Tiere natürlich, sondern Plastiktiere.

Die kleinen Tiere wurden weltberühmt. Sie haben sogar einen Wikipedia-Eintrag unter dem Lemma „Friendly Floatees“, ihrem Gruppennamen gewissermaßen. Ihnen wurden Kunstwerke gewidmet, es wurden Kinderbücher über sie geschrieben – und selbst Wissenschaftler waren begeistert! Warum? Diese Plastiktiere haben Datenmaterial geliefert, das für Meereskunde und Klimaforschung wichtig ist.

Die Enten und ihre Kumpels sind in den globalen Meeresströmungen herumgetrieben. Und irgendwann wurden und werden sie immer noch an Land gespült. Wo sie anlanden und wie lange es dauert, bis sie dort anlanden, gibt Hinweise auf die Meeresströmungen und ihre Geschwindigkeiten. Einzelne Enten sind in England aufgetaucht, manche haben es nach Grönland ins Packeis geschafft, ein ausgebleichter Frosch wurde im Jahr 2003 auf den Hebriden gefunden. Gestartet sind die Tiere im Nordpazifik, die Hebriden sind Inseln vor Schottland.

Die Forscher habe Neues gelernt durch ein zufällig entstandenes Experiment. Und nebenbei hat man auch einen weiteren Beleg dafür, dass Plastik in unseren Meeren auch nach fast 30 Jahren nicht einfach verschwindet. Falls man diesen Beleg noch brauchte. Und von den Enten und Biebern und Schildkröten wurden im Laufe der Zeit kleine Plastikpartikel abgespült, und auch dieses Mikroplastik treibt noch durch die Weltmeere. Und es befindet sich in Organismen, die im Meer leben und sich dort ernähren.

In Cornwall wurde eine große Plastikente, „Mother Duck“, aufgestellt und soll dort die Kleinen, die noch angespült werden, willkommen heißen. Und das Meer wäre bestimmt auch froh, wenn es das Plastik wieder los wäre.


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schreibt am 12. April 2020 Mehr Wege für das Wurstglas oder: Einweg ist Käse

Ein Wursthersteller, der seit einer Weile auch Produkte für die Zielgruppe sich vegan ernährender Menschen produziert, hat eine Werbekampagne gestartet, die sich mit weiteren Aspekten der Ressourcenschonung beschäftigt.

In einem Stuhlkreis sitzt ein Experte mit anderen zusammen draußen im Garten und diskutiert das Thema Verpackungen. Ja, die Wurst kommt ausschließlich in verschiedenen Plastikverpackungen. Aber sie haben das auch gut durchdacht und lange diskutiert. Eingangs wird die Frage gestellt: Warum denn nicht die Wurst im Glas verpacken statt in Kunststoff? Es ist immer eine gute Argumentationsstrategie, die kritische Frage selbst zu stellen. Beim Zuschauer entsteht der Eindruck: Wow, die stellen sich die kritischen Fragen selbst. Dann aber weiß der Experte mehr. Und demütig geht man anschließend in sich und muss einsehen: So habe ich das noch gar nicht betrachtet. Die sind mir in ihrer Diskussion voraus.

In diesem Fall ging mir das nicht so. Denn ich denke, dass die Rechnung des Wurstverpackungs-Experten, der mit dem Wursthersteller im Garten sitzt, nicht aufgeht. Er rechnet vor, dass der Energieverbrauch viel höher ist als bei Plastikverpackungen, wenn wir nämlich Glas produzieren, dieses dann als Altglas entsorgen, neu einschmelzen und transportieren lassen – im übrigen wird ja auf jeder Palette mit Produkten Kunststofffolie zum Fixieren der einzelnen Produkte in großen Mengen verwendet. Warum also sollte der Wursthersteller irgendwas besser machen wollen, wenn die anderen es auch nicht tun? Denn genau dieser Blick über die Wurstverpackung hinaus, würde den Wurstverpackungsexperten zu einem Universalexperten machen.

Zurück vom Universellen zur Verpackung: Warum ein leeres Wurstglas wegschmeißen, was man gut gebrauchen kann? Warum nicht aus einem energieaufwändig produzierten Einweg- ein sinnvolles Mehrwegglas machen, möchte ich den kompetenten Herrn Wurstverpackungsexperten fragen. Ein ausgespültes Wurstglas ist der perfekte Ort, um z.B. Gewürze aufzubewahren. Wenn man in einen Unverpackt-Laden geht, hat man eine ganze Tasche voll mit den unterschiedlichsten Gläsern, sie gehören zum Konzept der Unverpackt-Läden. Man kann sie natürlich auch dort kaufen, aber das macht den Einkauf teurer und spart keine Rohstoffe. Je mehr Gläser man sammelt, desto mehr Auswahl hat man, die Waren im Unverpackt-Laden zu dosieren. Und jedes Glas kriegt seine neue Bestimmung: In die Wurstgläser passt gut die Gemüsebrühe. In die Suppengläser passt die perfekte Mengen an Linsen. In die Smoothie-Flaschen passen Spülmittel und Seife.

Denn es ist vermutlich immer zu kurz gegriffen, einseitig um ein Problem zu kreisen und es gegen ein anderes, wenn auch nur zu Marketingzwecken, auszuspielen. Der gleiche Ansatz führt dazu, dass ein großes Museum auf einer Tagung stolz präsentierte, wie sie Plastik vermeiden, nämlich indem sie im Museumscafé das Trinkwasser in kleinen Aluminiumdosen verkaufen – das Material, das in meiner Jugend als der Inbegriff der Umweltsünde galt.

Das Problem sind eben nicht nur bestimmte Materialien. Das Problem ist unsere Gewohnheit, Dinge in Materialien zu verpacken, die direkt nach Kauf und Konsum nicht mehr benutzt werden können. Das Problem ist, dass wir so viel Energie nutzen können, um aufwändige und schöne Verpackungen zu produzieren, die nach dem Transport direkt weggeworfen werden. Das trifft auch auch auf die vielen neuen Einwegbecher, -strohhalme und -verpackungen zu, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Wir benutzen all das viel zu kurz.

Ich bin gespannt, ob der Wurstverpackungsexperte in einem der künftigen wurstwissenschaftlichen Team-Meetings auf diesen Aspekt noch eingeht. Denn sonst bleibt es alles ein Kampf gegen Windmühlen …