schreibt am 5. März 2020 über uns

Mutter: Das bin ich. Mein Name ist Gesine Grotrian und ich entwickle Kinder- und Jugendbücher, am liebsten gemeinsam mit der Zielgruppe. Dafür etabliere ich einen Jugendbeirat, den ich regelmäßig zur Entwicklung der Themen und der Ausarbeitung der Grafiken hinzuziehe, wie Experten. Seit Dezember arbeite ich für die Heinrich-Böll-Stiftung an unserem neuen Buch „Plastik, Müll & ich”. Manchmal ist es ganz schön schwer viel zu wissen und nicht soviel ändern zu können. Meine Versuche mein Wissen umzusetzen stößt natürlich auch in meiner Familie an Grenzen. Diesmal haben wir gedacht, dass wir alle dazu schreiben wollen. Denn als ich 2015 mit dem Buch „Iss was?! Tiere, Fleisch & ich” angefangen habe, hat das weitreichende Konsequenzen beim gemeinsamen Essen gehabt. Das war herausfordernd und anstrengend für alle.

Kind: Kind klingt schon doof. Ich bin Pola, jetzt 16 Jahre alt und war gerade ein Jahr in Dänemark. Jetzt gehts dann wieder weiter in Berlin. Ich liebe reisen und neue dinge ausprobieren. Ich finde es sehr spannend Gesines bücher mitzukriegen und finde die Themen enorm wichtig. Seit das mit dem plastik buch los ging hat sich meine sicht auf plastik sehr geändert. Ich achte jetzt auch sehr auf plastik aber manchmal tut es auch gut es einfach zu vergessen. Und ich bin Uma, 19 Jahre und wohne übergangsweise noch hier, bevor ich zum Studium ausziehen werde.

Mann: Seit zehn Jahren bin ich ein hineinwachsendes Familienmitglied. Letztes Jahr haben wir geheiratet.

Tante: Ich heiße Etta und bin Tante, Schwester und Schwägerin in einer Person. Ich wohne in zwei Städten und deshalb in zwei Haushalten, in denen Plastik eingekauft, ausgepackt und weggeworfen wird. In dem einen Haushalt, einer Kreuzberger WG, wohnen wir zu viert und haben alle unterschiedliche Prioritäten bei der Müllvermeidung. In dem anderen Haushalt wohne ich alleine und bin mein eigener Kapitän!
Ich arbeite im Übersee-Museum in Bremen. Wenn man das Museum betritt, steht man in einem von zwei großen Lichthöfen. Und im ersten Lichthof wird von Ozeanien erzählt. Ozeanien besteht aus viel Meer und einigen weit verstreuten Inseln. Der Fußboden im ersten Lichthof soll das Meer darstellen. Mit verschiedenen Blautönen werden die Meerestiefen dargestellt, darauf verteilt stehen die Exponate wie auf Inseln. Das Meer ist von unserer Unmenge an Plastik besonders stark beeinträchtigt. Das betrifft die Tiere und auch die Menschen, die am und vom Meer leben.
Weil ich Historikerin bin, beschäftige ich mich häufig damit, wie etwas, was einmal neu und ungewohnt war, zu etwas ganz Normalen und Vertrauten wird, das man sich gar nicht mehr wegdenken und auf das man auch nicht mehr verzichten kann. Vielleicht ist es auch umgekehrt: Weil ich mich häufig damit beschäftige, bin ich Historikerin geworden …

Freundin: Hallo, hier stellt sich mal die Freundin vor! Die lebt seit vielen (genauer gesagt 28 Jahren) in Kopenhagen, obwohl sie deutsch und ursprünglich aus der DDR ist. Inzwischen ist sie weder deutsch noch dänisch, sondern irgendso ein Mittelding, d.h. sie fühlt sich an beiden Orten zu Hause und gleichzeitig auch ein bisschen zu Besuch. Sie betrachtet dann das deutsche Leben mit dänischen Augen – und umgekehrt. Seit vielen Jahren schreibt sie Kinder- und Jugendbücher, und zwar in beiden Sprachen. Sie liebt es zu reisen – auch mit dem Flugzeug, was ihr zunehmend ein schlechtes Gewissen bereitet. Sie schätzt auch Zufälle sehr, und einer dieser Zufälle hat sie auf einer Kinderbuchmesse in Saarbrücken mit Gesine zusammengeführt – plötzlich saßen sie an einem Signiertisch nebeneinander. Komischerweise hatte sie das von Gesine illustrierte Buch “Tiere, Fleisch und ich” zwei Jahre vorher auf der Leipziger Buchmesse in der Hand, wo es (genau wie ihr eigenes Buch “Pssst!”) für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert war. Und sie fand es toll! Deshalb hat sie gejubelt und brauchte gar nicht zu überlegen, als Gesine sie ein paar Wochen später fragte, ob sie an einem Nachfolger mitmachen wolle, in dem es um Plastikmüll geht. RIESIG gern! Denn das Plastikmüllproblem und überhaupt die ganze Klimaproblematik bedrücken sie mehr und mehr.
Sie freut sich, vielleicht ein klitzekleines bisschen dazu beitragen zu können, dass sich daran was ändert – denn Änderung beginnt mit Aufklärung und Wissen, findet sie. Beim Lesen über Plastik hat sie selbst schon sehr viel gelernt! Gleichzeitig hat sie etwas Angst davor, nun überall mit erhobenem Zeigefinger aufzutauchen. Denn dann stöhnen sicher bald alle in ihrer Familie.

Das sind: Vier erwachsene Kinder zwischen 38 und 30 mit ihren dänischen Ehepartnern. Zehn Enkel zwischen 12 und noch im Bauch. Ein Freund, der auf dem Land bei Helsingør wohnt und mit Überwachungsanlagen für Windkrafträdern arbeitet.